Startseite

Beim Stichwort „Roadmovie“ denken die meisten Filmfans sofort an die typischen Hollywood-Klassiker dieser Art. An Szenerien aus Mittelamerika, lange Highways, die Route 66 und an eine Fahrt von Ostküste nach Westküste. In der deutschen Filmbranche sind derlei Motive eher rar gesät – doch es gibt sie. „Trans Bavaria“ bedient sich der Vorlage des typischen (Buddy- und) Roadmovies, doch geht der Spielfilm von Konstantin Ferstl noch weit über die Genregrenzen hinaus.

trans-bavaria

Hier entwickelt sich eine wirklich schräg und vor allem urkomisch inszenierte Rebellenfantasie, die für wahre Filmfans definitiv Kultstatus erreichen könnte. Nicht zuletzt deswegen, weil der Ursprung des ganzen Spektakels ausgerechnet ein beschauliches Dorf in Niederbayern ist und das Ziel der Reise eben auch nicht irgendeine Metropole in den USA oder eine Traumstrand in Kalifornien ist. Nein, hier geht es in Richtung Osten. Dort, wo man den Puls des Kommunismus fühlt. Als Motivation dienen dabei natürlich die großen Idole dieses Ideals. All dies wird schließlich noch verfeinert mit unzähligen Anspielungen auf historische Ereignisse und Querverweise innerhalb der Filmkultur, wodurch der Film aus jedem Schmunzeln noch das Lachen heraus kitzelt.

Der Trailer zum Film

Niederbayern – am Puls der westlichen Zivilisation

Ein ödes Dorf im urdeutschen Niederbayern und dann auch noch die Abiturfeier, das ist nichts für wahre Systemkritiker und Möchtegernrevolutionäre. Die drei Neuabiturienten Quirinalis (Marcel Despas), Joker (Lukas Schätzl) und Wursti (Johannes Damjantschitsch) sehen sich in der Pflicht und wollen die Abschlusszeremonie des Schuljahres hochgehen lassen und damit ihr Kritik am westlichen System zur Schau stellen. Zwar wohnt in ihnen der Geist großer Rebellen inne, doch fehlt es ihnen leider an Geschick. Ihr Plan läuft ziemlich aus dem Ruder, sodass einiges in Flammen aufgeht – sogar die Abiturzeugnisse, die sie zuvor geklaut haben. Abends dann hat Quiri den grandiosen Einfall, dass sie all das hinter sich lassen sollten und nach Moskau reisen sollten. Dort nämlich wird Fidel Castro anlässlich seines letzten Auslandsbesuchs auf dem Roten Platz eine Rede halten. Also machen sich die drei Freigeister auf zu ihrer ganz eigenen Wallfahrt. Quirinalis trennt sich dafür sogar von seiner Freundin. Als Gefährt für die lange Reise wurde in der Nacht kurzerhand noch der Lieferwagen der Metzgerei von Wurstis Vater gestohlen. Mit dem Kleinbus, der durch eine große Schweinefigur auf dem Dach alles andere als unauffällig erscheint, soll die Tour durch die ehemaligen Ostblockstaaten bis nach Russland führen. Unterwegs werden sogar Gleichgesinnte mitgenommen und der Roadtrip könnte perfekt laufen.

Keine Reise verläuft ohne Richtungswechsel

Doch kaum haben die Freunde die russische Grenze überquert, haben sie einen Unfall. Von den Jungs wird niemand verletzt, doch ausgerechnet ihr fahrbarer Untersatz gibt den Geist auf. Was bleibt anderes übrig, als diesen schiebend weiter voran zu schreiten. Somit erreichen sie etwas später ein altes Kloster. Dort treffen sie zwar nicht auf Kommunisten oder Revolutionäre ihres Schlags, dafür machen sie aber Bekanntschaft mit einem Österreicher namens Trotta. Dieser lebt bereits seit einigen Jahren dort und hat offensichtlich begriffen, worum es im Leben geht. Während der Bus nun repariert wird, verbringen die Touristen einige Zeit in dem Kloster, wodurch nun auch einige unterschwellige Konflikte endlich an die Oberfläche kommen, sodass dann doch die Frage aufkommt, wohin die drei Freunde denn wirklich wollen. Auch Quirinalis selbst entdeckt einen Zwiespalt in sich. Einerseits steckt in ihm der Drang nach Freiheit und Rebellion seitdem ihm seine Idole Che Guevara und Fidel Castro in einem Traum erschienen waren. Andererseits muss er einsehen, dass er niemals wirklich eine Heimat besitzt und nirgends hingehört, solange er immer auf der Reise ist und nur dort bleibt, wo er gerade glücklich ist. Keine Reise verläuft ohne Richtungswechsel, also müssen die jungen Männer nun entscheiden, in welche Richtung ihr Weg führen soll.